| |
Ich BITTE um das Lesen dieses Buches!
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (VINE®-PRODUKTTESTER) Rezension bezieht sich auf: Wenn Mütter zu sehr lieben: Verstrickung und Missbrauch in der Mutter-Sohn-Beziehung (Broschiert) Karl Haag, Autor dieses Buches, ist praktizierender Psychotherapeut. Mit einfühlsamen, menschlichem Verständnis schildert Herr Haag das Sujet dieses Buches: mütterlicher Missbrauch an Söhnen. Weshalb er dieses Thema gewählt hat? Aus persönlichen Gründen und weil er dieses Thema in der Öffentlichkeit unterrepräsentiert sieht. Und in der Tat ist die Literatur bezüglich weiblicher sexueller Gewalt im Verhältnis zur männlichen wesentlich niedriger. Das Buch glänzt vor allem durch den persönlichen, aber nie subjektiv erscheinenden, Ton des Autors. Gleichfalls angenehm erscheint die klare Gliederung.
1. Einführung in das Thema 2. Formes des Missbrauchs (inzenstuös, Das Kind in der Elternrolle,symbiotischer Missbrauch, Missbrauch durch Delegation von Lebenssinn und Lebensaufgaben an das Kind, Missbrauch durch Benutzung des Kindes im Paarkonflikt) 3. Fallstudien aus Geschichte und Literatur 4. Fallstudien aus der Erwachsenentherapie 5. Fallstudien aus der Kindertherapie 6. typische Familienkosntellationen und ihre Folgen
Als äußerst positiv ist die differenzierte Betrachtung diverser Formen des Missbrauchs anzusehen. Hierbei zeigt Haag sehr anschaulich anhand mannigfacher Praxisbeispiele, auf welch subtile Weise Mütter ihre Söhne benutzen. Das ist nicht ausschließlich auf körperlichen Missbrauch gemünzt. Er zeigt klar die Strukturen auf, welche Mütter anwenden, um ihre Söhne zu benutzen, sei es als Partner- oder Elternersatz. Oft ist es die Mutter, die den Sohn nicht heranwachsen sehen will, sie ist es, die ihn braucht, wobei es sich hier bereits um einen Rollentausch handelt. Die Mutter macht den Sohn für ihr Leben, ihr Wohlbefinden verantwortlich, belohnt ihn dafür mit ihrer Aufmerksamkeit und "Liebe". Es wird klar gezeigt, wie krank und stark versteckt diese Strukturen wirken. Ein Beispiel: Da will eine Mutter ihren Sohn jeden Abend zu Bett bringen, weil er das angeblich brauche. In Wahrheit ist sie es, die ihre Sexualität ihrem Mann gegenüber eingestellt hat und nun diese Libido auf den Sohn umlenkt. Dieser spürt das, gerät unter Druck, versagt in der Schule...und am Ende sitzt die Mutter beim Therapeuten und sagt, ihr Sohn habe ein Problem! Ich bitte nicht nur jeden Interessierten oder vielleicht auch betroffenen Sohn dieses Buch zu lesen, sondern ich bitte geradezu jeden, der es ertragen kann, zu lesen! Es ist wichtig für die Emanzipation des Mannes, sowohl der Frau als auch der Gesellschaft gegenüber, sich von falschen, destruktiven Mütterbeziehungen zu lösen. Und es ist höchste Zeit den Traumzauber von der ewig liebenden Mutter zu enttarnen und ihn als das hinzustellen, was er ist: Narzissmus pur!
Danke für diese klare Schilderungen Herr Haag und für ihr menschliches Handeln! Sie machen Mut mit diesem Buch!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 15. Dezember 2009 |